Stimmtherapie für trans* Personen
Für wen ist die Stimmtherapie geeignet?
Für alle trans, inter, nicht-binären oder questioning Personen, die am Geschlechtausdruck ihrer Stimme arbeiten möchten. Questioning bedeutet, dass Personen z.B. ihr eigenes Geschlecht hinterfragen und vielleicht (noch) keine für sie passende Bezeichnung gefunden haben. Die Stimmtherapie ist außerdem unabhängig davon, ob du Hormone nimmst oder nicht, möglich.
Ich mache Hormonersatztherapie mit Testosteron, brauche ich dann überhaupt Logopädie?
In der Literatur wird beschrieben, dass Logopädie die Stimmtransition mit Testosteron ergänzen kann. Besonders wenn es stimmliche Beschwerden gibt oder die eigenen Ziele nicht ausreichend erreicht werden, ist eine logopädische Begleitung ratsam.
Brauche ich ein Gutachten?
Nein, als Logopäd*innen brauchen wir lediglich eine Heilmittelverordnung.
Kommen Kosten auf mich zu?
Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt bei Personen, die Ü18 sind, 90% der Verordnung. Die übrigen 10% müssen die Patient*innen zuzahlen. Für Personen, die U18 sind, entfällt die Zuzahlung.
Bei privaten Krankenversicherungen kommt es ganz auf die vertraglich vereinbarten Leistungen an. Frag am besten direkt bei der Krankenkasse nach.
Hinweis: Es gibt die Möglichkeit sich von der gesetzlichen Zuzahlungspflicht befreien zu lassen. Genauere Informationen bieten die jeweiligen Krankenkassen.
Wo bekomme ich eine Heilmittelverordnung her?
Hals-Nasen-Ohrenärztinnen (bei stimmlichen Beschwerden wie beispielsweise anhaltender Heiserkeit bitte HNO-ärztlich abklären lassen) Hausärztinnen
Psychotherapeutinnen Hinweis: Für die Suche nach transsensiblen Ärztinnen und Therapeutinnen können Suchmaschinen wie TransDB (https://transdb.de/), Translist (https://translist.de/contacts/) und Queermed (https://queermed-deutschland.de/nach-empfehlungen-suchen/) genutzt werden.
Was muss auf der Heilmittelverordnung stehen?
Häufig werden die Heilmittelverordnungen in diesem Rahmen ausgestellt:
- Frequenz: 1-3x pro Woche
- Verordnungsmenge: 10 (nicht mehr)
- Mögliche ICD10-Codes: R49.0 allein oder in Kombination mit F64.0
- Diagnosegruppe: ST2
- Umfang: 45 Minuten
Hinweis: Heilmittelverordnungen müssen innerhalb von 4 Wochen begonnen werden. Deshalb ist es sinnvoll, sie erst kurz vor Therapiebeginn zu holen. Du kannst im Voraus aber schon mal in Erfahrung bringen, wer die Heilmittelverordnung für dich ausstellen würde.
Ich habe stimmliche Beschwerden (wie anhaltende Heiserkeit) und möchte eine stimmtherapeutische Stimmtransition beginnen. Geht das?
In dem Fall sollte auf jeden Fall eine HNO-ärztliche Untersuchung im Vorfeld der Therapie sattfinden, um gegebenenfalls organische oder funktionelle Auffälligkeiten festzustellen oder ausschließen zu können. Falls diese festgestellt werden, würden wir uns in der Stimmtherapie zunächst um die Auffälligkeiten kümmern und im Anschluss an der Stimmtransition arbeiten.
Wie läuft die Therapie ab?
Zu Beginn findet eine Anamnese und Diagnostik statt, um mir ein Bild vom Ist-Zustand zu verschaffen und deine Lebenssituation kennenzulernen. Das ist wichtig, um sie in der Therapieplanung berücksichtigen zu können. Im Anschluss daran bitte ich dich, Stimmvorbilder mitzubringen, die wir uns gemeinsam anschauen, um herauszufinden, was mögliche Ziele sein könnten. Diese Therapieziele werden gemeinsam vereinbart, können aber im Therapieverlauf immer wieder angepasst werden. Der Ablauf der Therapie richtet sich dann nach den individuell festgelegten Zielen. Sollte es beispielsweise um eine Tonhöhenanpassung gehen, würden wir beginnen, die Tonhöhe gemeinsam auszutesten. Die Zieltonhöhe wird dann gefestigt. Parallel kann an weiteren Zielen, wie zum Beispiel der Anpassung der Klangfarbe, gearbeitet werden. In dieser Phase arbeiten wir mit der sogenannten Phonation, also dem Tönen, von Lautketten. Neben dem Training in den Therapiestunden besprechen wir auch, wie du mit Übungen zu Hause das Erreichen deiner Ziele unterstützen kannst. Wenn die Stimme wie gewünscht beim Tönen angesteuert werden kann, erarbeiten wir gemeinsam einen Übertrag in die gesprochene Sprache.
Was können Therapieschwerpunkte sein?
- Tonhöhe
- Stimmfunktion/ Resonanz (Wo klingt die Stimme, Bruststimme oder Kopfstimme)
- Stimmsitz (Wo sitzt die Stimme im Mund? Vorne/mittig/hinten)
- Klangfarbe (Twang, Nasalität, Brillanz)
- Lautstärke
Nach welchen Konzepten wird gearbeitet?
Ich arbeite nach der funktionellen Stimmtherapie (kurz FST). In der FST wird davon ausgegangen, dass die Stimme beziehungsweise Stimmgebung ein Zusammenspiel aus Psyche, Atmung, Bewegung, Wahrnehmung, Tonerzeugung, und -formung ist. In der Therapie arbeiten wir mit Vorstellungshilfen, die wir mit einatmungsunterstützender Bewegung und dem Tönen von Lautketten (wie „moa“ oder „nüi“) verbinden. Dabei orientiere ich mich im Vorgehen an den individuell vereinbarten Zielen und akuten Bedürfnissen.
Zum Aufwärmen nutze ich, angepasst an die jeweiligen Stimmziele, zudem die Lax Vox® Methode.
Außerdem habe ich eine Einführungsfortbildung in die LaKru®-Stimmtransition gemacht. Die Inhalte lasse ich einfließen, arbeite aber nicht strikt nach dem Konzept.
Wie lange dauert die Stimmtherapie?
Die Länge der Therapie ist sehr individuell und schwer vorauszusagen. Sie kann beispielsweise davon abhängen, ob Personen zusätzlich zu den Sitzungen üben können.